Im ersten Teil dieser kleinen Reihe habe ich mich mit dem Umgang mit Informationen beschäftigt, der zweite Teil widmete sich dem Suchen und Finden dieser Informationen. Nun gilt es sich anzuschauen, wie Dinge unserer realen Welt durch Technologien zu Informationsträgern werden.
SMS Codes werden auf Schildern angebracht und ermöglichen die Verbindung von Dingen/Orten mit (mobilen) Inhalten. Immobilien werden außen durch Schilder oder Galgen zum Verkauf oder zur Vermietung gekennzeichnet. Vorbeigehenden Interessenten könnte man nun den Service anbieten, durch Senden eines SMS-Codes an eine Nummer, weiterführende Informationen wie Preis, Grundriss, Quadratmeterzahl usw. direkt auf das Mobiltelefon zu erhalten. So wäre es ist nicht mehr notwendig, sich die Rufnummer des Maklers zu notieren und anzurufen oder sich den Namen zu merken und später im Internet nach dem Objekt erneut zu suchen.
In den Niederlanden wird dies bei SMS Een Huis, in Australien bei Real Estate Depot erfolgreich durchgeführt. Wer schon einmal einen Blick in das Beispiel aus Australien werfen möchte, gibt in seinem mobilen Browser einfach einmal http://edsilk.com.au/mobile/ ein.
Die SMS-Codes kommen recht schnell an ihre Grenzen. Auch besteht hier immer der Nachteil, dass sich der Nutzer neben dem Code noch die Rufnummer, an die er den Code schicken soll, merken muß. Weiterhelfen können hier nun Barcodes. In zwei kurzen Artikeln habe ich dieses Thema bereits aufgegriffen.
Der Einsatz von Codes im Mobile Marketing – Teil 1: Überblick
Der Einsatz von Codes im Mobile Marketing – Teil 2: Technik
Im Umgang mit den Barcodes sind uns die Japaner voraus. 27% aller Japaner besitzen ein Handy mit Barcode Reader (Quelle: NPD). Die nutzt amazon mit seinem Dienst ScanSearch. Der Nutzer kann mit seinem Mobiltelefon Barcodes einscannen, Rezensionen hierzu lesen, ähnliche Produkte recherchieren, Preise vergleichen und auch sofort bestellen.
Ohne die Scanfunktion, aber ebenfalls basierend auf 1D-Barcodes, funktioniert der Scanbuyshopper der Firma Scanbuy in den USA. Über die Tastatur muss die Ziffernfolge des 1D-Barcodes eingetippt werden. Dann erhält der Nutzer ebenfalls Informationen, Reviews, Preisvergleiche oder weitere Produkte. Um einen Artikel zu kaufen, erhält der Nutzer eine URL, die er abrufen und bestätigen muss. Just in diesen Tagen launchte Scanbuy seine WAP Seiten http://search.scanbuy.com (beta). Ich habe es mit Büchern getestet und es funktioniert bestens.


Aber auch die eindimensionalen Barcodes erreichen ihre Grenzen. Nun helfen die zweidimensionalen Codes, wie Data Matrix, QR, Aztec, um nur einige wenige standardisierte zu nennen. Es gibt natürlich darüber hinaus noch proprietäre Codes, die ich weiter unten vorstellen werde. Zu den Basics zu Standard-Codes sei auf meine Ausführungen Der Einsatz von Codes im Mobile Marketing – Teil 2: Technik verwiesen.
Qode (vormals PaperClick) von Neomedia kann alphanumerische oder numerische Zeichen lesen, eingeschlossen Worte, Sätze, Markennamen, Slogans, aber auch Barcodes und 2D Codes (Smartcodes). Es werden 270 Endgeräte von 22 Herstellern unterstützt und Neomedia hat auf den eigenen Webseiten wohl die umfänglichste Auflistung dessen, was die Nutzer mit ihren Kamerahandys und damit auch die Markenartikler alles mit dieser Technologie machen können:

Sicherlich lassen sich noch jede Menge andere Anwendungsszenarios entwickeln. Die Möglichkeiten erscheinen tatsächlich nahezu unendlich, insbesondere wenn man sich um datenschutzrechtliche Aspekte (noch) keinen Kopf macht.
Neomedia hat sich in den vergangenen Monaten das ein oder andere Unternehmen dazu gekauft und Gerüchte besagen, dass die Shopping Tour noch nicht zu Ende sei.
Ein Tochterunternehmen ist Mobot aus Lexington, MA. Die Lösung von Mobot erlaubt im Grunde alles das, was hier bereits aufgezählt wurde, nur wird hier kein Code oder Wort gescannt, sondern mit der Kamera des Handys ein Foto gemacht. „Mobot is pioneering the use of the mobile camera as a pointing device for the real world.” Ein entscheidender Vorteil von mobot gegenüber den Code Readern ist, dass hier keine zusätzliche Applikation auf dem Mobiltelefon notwendig ist. Nachteilig ist, dass der Nutzer sich eine Rufnummer/einen Code oder eine URLadresse merken muß, um das Bild zu verschicken. Und das Verschicken von MMS stellt für viele Handynutzer immer noch eine unlösbare Aufgabe dar, ganz abgesehen von den Übertragungskosten, die der Nutzer ggf. für diesen Service zu tragen hat.
Mit einer ähnlichen Technologie will Neven Vision aus den USA mit iScout Mobot/Neomedia Konkurrenz machen. Das Logo oder der Brand wird mit der Handykamera fotografiert, die Daten an den Server von iScout geschickt und Informationen, Coupons, Links oder was das Herz begehrt wird zurück gesandt. Sicherlich hier mit den gleichen Vor- und Nachteilen wie bei der Lösung von Mobot.
Ein weiteres Tochterunternehmen von Neomedia ist die Firma Gavitec AG – mobile digit in Aachen. Neben Scannern, die Codes vom Handydisplay lesen, z.B. Coupons oder Tickets, bietet Gavitec mit lavasphere einen Code Reader (Symbian und Java) für Data Matrix, QR und Barcodes an. Damit ist Gavitec der einzige (mir bekannte) Anbieter, der den Regelkreis vom Einscannen mit der Kamera des Handys bis hin zum Auslesen von Codes aus dem Handy schliessen kann.
Neben diesen Technologie Unternehmen hat Neomedia in Deutschland auch noch die Agentur 12snap gekauft und versucht so, ein ganzheitlicher Anbieter im Bereich Mobile Marketing zu werden.
In der Schweiz ist ein weiterer Anbieter eines Code Readers (nur Symbian) für die bereits erwähnten Standard Codes (Data Matrix und QR), die Firma Kaywa. Im Zusammenhang mit meinem Artikel Die Nutzung von Codes mit Mobiltelefonen. habe ich ja schon berichtet, dass dieser Reader sehr performant ist und im Web ein Code Generator zur Verfügung steht, mit dem man freien Text, eine URL, Telefonnummer oder SMS codieren kann.
Mit dem US-amerikanischer Anbieter Nextcode betreten wir die Welt der proprietären Codes. Nextcode hat unter dem Brand ConnexTo einen Code Reader (nur Symbian) für die eigenen mCodes gelauncht. Bei mir funktionierte der Download mit meinem Nokia 6680 nicht. Eine kurze URL genügte, der sehr nette Support meldete sich und behob das Problem. Danach funktionierte es einwandfrei. Hierfür nochmals Dank nach Concord, MA. Auch bei ConnexTo ist es möglich URLs, Telefonnummern, Kontaktdaten oder SMS zu codieren.
Ein weiterer proprietärer Code, Beetagg, kommt von Connvision aus der Schweiz. Dieser ist Symbian Signed, Java Verified und besitzt das Windows Mobile Certificate und steht somit auf der wohl breitesten Basis was den Einsatz auf möglichst vielen Endgeräten betrifft. Die Beetaggs können innerhalb des Codes noch auf den Anbieter gebrandet werden, was z.B. bei Data Matrix und QR nur außerhalb des Codes technisch realisierbar ist. Mit dem Code Generator kann man derzeit nur URLs codieren, allerdings sind unterschiedliche Dateien codierbar (doc, xls, ppt, pdf, vcs, vcf). Der Code Reader ist im Zusammenspiel mit meinem Nokia 6680 hochperformant und Installation und Code Generierung sind spielerisch einfach.
Zu guter Letzt möchte ich noch ShotCode (nur Symbian) von OP3 aus den Niederlanden erwähnen. Auch dies ist ein proprietärer Code. Die Installation auf meinem Mobiltelefon funktionierte zwar problemlos, auch das Code Lesen war kein Problem. Allerdings erhielt ich immer die Meldung, dies sei kein korrekter Code. Alles Rumprobieren half nichts, ich habe es nicht hinbekommen. Leider schweigt auch der Support von OP3. So kann ich ShotCode leider nicht empfehlen.
Etwas ansprechender kommen die ColorCodes aus Japan daher. Sicherlich für jeden Kreativen leichter zu verdauen als die doch eher nüchternen meist schwarz-weissen Codes, auch wenn man hier in bestimmten Grenzen (Kontrast) andere Farben wählen kann.
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Aber Rettung ist ja ohnehin in Sicht, da Codes nun ja auch mit unsichtbarer (Ypps-)Tinte oder als hinterlegtes Wasserzeichen druckbar sind. Die neueste Meldung in dieser Richtung kommt von der NASA, die Codes entwickelt hat, die sowohl magnetisch als auch optisch gelesen werden können und ebenfalls für das menschliche Auge unsichtbar sind.
Im vierten und letzten Teil meiner Reise durch diese neuen Welten widme ich mich noch den user-generated Codes und dem hiermit verbundenen Tagging.
Heike Scholz
Heike Scholz ist Gründerin von mobile zeitgeist, Mobile Consultant, gefragte Rednerin, Interviewpartnerin und Workshop-Leiterin.
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